Schleifen und was man dazu wissen sollte

Schleifen und was man dazu wissen sollteEine saubere und glatte OberflächeUm ein Werkstück zu verfeinern, ästhetisch schön aussehen zu lassen, eine Struktur zu verändern oder erhalten oder ein bestimmtes Mass zu bekommen, können wir verschiedene Schleiftechniken und -mittel einsetzen. Grundsätzlich ist jede feste Oberfläche schleif- und veränderbar: Holz, Metall, Glas, Lack, Naturstein, Epoxidharz, Kunststoff.
Warum SchleifenBei Holz haben wir keine Wahl. Möchten wir ein Möbelstück fertigen, braucht es eine schöne glatte Oberfläche und diese erhalten wir über das Schleifen. Dadurch schleifen wir kleine abstehende Holzfasern weg und erhalten damit eine feine Oberläche.Würden wir sie unbehandelt belassen und anschließend ölen oder lackieren, wäre es eine eher raue und unruhige Oberfläche mit abstehenden Fasern. Das könnte man als künstlerischen Aspekt einsetzen, so wie man das manchmal bei noch sägerauen Holzverkleidungen bei Holzhäusern macht.
Ästhetik und Passgenauigkeit
Über die Bearbeitung einer Oberfläche können wir die Struktur der Oberfläche verändern – ganz glatt und fein für eine glänzende Lackoberfläche – ganz rau oder mit Riefen, für eine strukturierte Oberfläche. Zudem können wir über das Schleifen ein Werkstück auf eine bestimmte Größe oder Form anpassen. Gerade dann, wenn es um Milimeterarbeit geht bzw. noch weniger.
Schleifmittel
Schleifmittel aus Naturstein hat es schon immer gegeben . Diese werden heute noch verwendet, z.B. der Novaculit als Abziehstein in rechteckiger Form für Messer oder große runde Schleifsteine für die Messer- und Scherenproduktion.Manche Steine müssen vor der Anwendung gewässert werden, um eine gute Schleifwirkung gewährleisten zu können. Wassersteine brauchen nur kurz mit Wasser benetzt werden und schon kann´s losgehen.
Daneben gibt es außerdem synthetische Schleifsteine, die ein schnelles und gute Ergebnis bringen, sich aber ebenso schnell abnutzen.Und – alle anderen synthetisch hergestellten Schleifmittel wie Schleifpapier, Schleifgewebe, Schleifscheiben, Schrupp-, Fiber- und Fächerscheiben. Alle diese genannnten Schleifmittel kann man sowohl für Holz und Kunststoff als auch Metall verwenden. Ausschlaggebend für die Verwendung ist dann die Körnung.
Welche Körnung für welches Material und OberflächeDie Stärke oder Feinheit eines Schleifpapiers wird mit P (nach einer DIN- Norm) angegeben.Je mehr Material abgetragen werden soll, desto kleiner die Zahl – je feiner und glatter die Oberfläche, desto höher die Zahl.
Beispiel Schleifgänge bei Holz
Arbeitsgang                                              Korngröße                         AufgabeSchruppen                                               24 – 60                              einebnen, aufrauen, Farbreste entfernen
Vorschleifen                                             80 – 120                            gehobelte, furnierte Flächen, Farbanschliff
Feinschleifen                                            120 – 180                          Fertigschliff vor der Oberflächenbehandlung, Zwischenschliff
Feinstschleifen                                         220 – 500                         Lackschliff
Schwabbeln oder Polierschliff                 Schwabbelpaste oder        Polieren von Polierlacken oder auch Epoxidharz
                                                                Körnung bis 7000

Wie schleife ich richtigErst mal schauen, welches Material habe ich und was will ich damit machen. Will ich Material abtragen, muß ich grob anfangen und mich von Körnung zu Körnung hocharbeiten. Das heißt, die Schleifspuren des vorausgegangenen Schleifganges müssen durch den nachfolgenden feineren Schliff verschwinden.
Der letzte Schliff muß auf jeden Fall eine Schliffrichtung haben, sonst sieht man eventuell die Schleifspuren.

Deckender Anstrich: diagonal, quer zur Faser, auch kreisendNaturbehandlung: in FaserrichtungMaserfurniere: kreisend

Bei Holz ist es wichtig zu schauen, das keine Faseren mehr aufstehen. Es kann also bei Weichholz wie Fichte oder Kiefer sein, dass ich auf jeden Fall mit P180 den Endschliff machen muß und bei Hartholz wie Eiche oder Buche mit P120 das gleiche Ergebnis erziele.TIPP: Soll ein Holzstück nur geölt werden, habe ich gute Ergebnisse erzielt, indem ich mit einem Scotch-Brite Clean & Finish das Öl eingerieben habe. Das ergibt eine ganz feine Oberfläche.
Egal ob anschließend lackiert oder ein zweites mal geölt oder am Schluß gewachst wird – für eine schöne glatte Oberfläche ist ein Zwischenschliff unerlässlich. Der nimmt alle Fasern mit, die durch Feuchtigkeit wieder „aufgestanden“ sind.
In einer Autowerkstatt wird eingesetzte Autospachtel mit P400-P600 geschliffen – unterschieden bei der Körnung wird stets, ob nass oder trocken geschliffen wird. Schleifpapier für nassen Schliff ist zudem ein anderes, robusteres.
TIPP: Autospachtel ist super zum Ausbessern von stossfesten Profilen an Türrahmen. Nur Vorsicht – nicht zu viel auftragen! Es wird sehr hart und man schleift sich anschließend einen Wolf, um es wieder wegzubekommen. Holzkitt geht natürlich auch, bröckelt aber bei Stössen ab.

Möchte ich eine absolute Hochglanzoberfläche mit z.B. Epoxidharz haben, brauche ich superfeines Nasspapier P2000 – P7000. Das nimmt jeden noch so kleinen Kratzer mit und ermöglicht feinsten Glanz.

Gut, für einen Fensterladen muß das nicht ganz so exakt und hochglänzend sein. Mit dieser Aufstellung sollen sie ein bißchen Einblick in die Möglichkeiten bekommen und worum es eigentlich geht.

Welches Handwerkzeug gibt es
Handschliff:Schleifklötze aus Kunststoff oder Holz (evtl. mit Profil), Schleifschwamm, Feilen
Handmaschinen:Schwingschleifer, Dreiecksschleifer (DeltaschleiferMulti-Schleifer), Multi-Tools mit kleinen austauschbaren Werkzeugen, Exzenterschleifer
Stationäre Maschinen:BandschleifmaschineTellerschleifmaschine, Zylinderschleifmaschine, Breitband-Kontakt-Schleifmaschine

Erwähnen möchte ich noch die Möglichkeiten der verschiedensten Aufsätze an Schleifscheiben und -bürsten für die Bohrmaschine. Die Schleifbürste aus Draht habe ich ja bereits für das Säubern von Metallteilen erwähnt. Was außerdem sehr hilfreich ist, wäre die Scheibenbürste aus Kunststoffgemisch. Sehr praktisch, wenn Profile zu schleifen sind. Sie passt sich entsprechend an. Noch besser, laut Hersteller ist diese Aufsatz-Reinigungs-Schleifscheibe. Damit kann es allerdings passieren, dass auch vom Metall mehr abgetragen wird – also ausprobieren!

Nachtrag: Von obigem Hersteller (Rostio) und manch anderen im Netzt wird empfohlen, keine Drahtbürsten für das Entrosten von Metall zu verwenden. Angeblich „poliert“ man den Roste mehr in das vorhandene Metall ein, als das man ihn entfernt und der Rost kommt bald wieder durch. Ich kann aus eigener Erfahrung dazu noch nichts sagen, es hört sich aber logisch an.Wer ganz sicher gehen will, sollte einen Rostentferner verwenden. Für grobe und lose Rostteile würde ich aber nach wie vor alles mit einer Drahtscheibe oder -bürste entfernen.

Für ganz Grobes würde ich den Winkelschleifer empfehlen. Damit werden z.B. alte Farbschichten vom Fachwerk entfernt. Man muß nur sehr aufpassen, dass sich die runde Scheibe beim Schleifen nicht zu sehr ins Holz frisst, sonst ergibt das ein wunderbares Muster!