Pinsel, Pinsel und nochmal Pinsel

Pinsel, Pinsel und nochmal Pinsel

Die Auswahl an Pinseln ist wirklich riesengroß. Steht man im Baumarkt, ist man erst einmal ohne fachmännische Hilfe ratlos. Geht man in den Malerfachhandel ist es dort etwas besser, weil es ausgesuchte bewährte Produkte gibt und auf jeden Fall ein Fachmann vor Ort ist.Damit will ich keineswegs die Baumärkte schlecht machen. Aber was Farbe und Pinsel angeht, habe ich mit der besseren und teureren Qualität stets weniger Ärger und bessere Ergebnisse gehabt. Also einerseits der fachmännische Rat, der im Baumarkt natürlich gut sein kann. Aber der Verkäufer kann halt auch nur das anbieten und anpreisen, was sie dort haben.
Wenn Sie wieder einmal vor so einem Regal voller Pinsel stehen und … es ist kein Fachmann vor Ort, sollten Sie zumindest etwas gewappnet sein, also wissen, auf was Sie achten sollten.

Welche Arten von Pinsel gibt es
Bei den Pinsel ist es erst mal ganz einfach. Es gibt Pinsel mit Naturborsten oder -haaren und mit Kunstfasern. Oder auch gemischt.
Welchen Pinsel für was

    Reine Kunstfaser/-borste
    Geeignet für lösemittelhaltige & wasserbasierte Medien – formstabile Faser, nichtsaugend
Reine Borste (z.B. Chinaborste)
    Geeignet für lösemittelhaltige Medien – würde wasserbasiert Wasser aufsaugen und quellen
  Kunstfaser-Borstenmix
    Universal einsetzbar z.B. gut bei Lasuren, weil Naturborstenkern, der die Farbe gut hält, mit Kunstfasern drumrum, die die Farbe       langsam wieder abgeben

Chinaborste – oder wasTierhaare werden schon seit Jahrtausenden für Bürsten und Pinsel verwendet. Und ja, die gute bekannte Chinaborste stammt vom Schwein. Und wieder einmal ist China inzwischen ein Großproduzent dieser Borsten. Und – weil die Chinesen so schnell mehr werden, werden auch die Schweine nicht mehr alt genug, damit die Borsten eine gute Qualität bekommen. Eine spezielle Schweinerasse im Hochland kann die begehrte Borstenqualität bieten. Rückenhaar vom Freiwild. Ausgereift sind sie fest genug für einen stabilen Pinsel und mit aufgesplissten Spitzen, damit die Farbe gut aufgenommen und wieder abgegeben wird.

In aufwendigen Schritten müssen die Haare der Länge nach geordnet werden, gekocht und gerade gerichtet. Eventuell auch gebleicht, damit wir einen schönen weißen Pinsel bekommen.
Marder, Dachs, Eichhörnchen und Pony…Die haben auch schöne Haare und deshalb finden sie ebenfalls Verwendung für verschiedenste Pinsel. Das Feinhaar des Marders ist besonders begehrt und wird schon fast mit Gold aufgewogen. Es soll in der Aquarellmalerei Einsatz finden. Andere Marder- und Wieselarten geben ihr Fell für Künstler- und Kosmetikpinsel her.
Selbst der Schweif des Eichhörnchens muß herhalten für Künstler- und gute Schulpinsel. Das Ponyhaar ist nicht ganz so elastisch und kräftig wie eine Schweinborste – deshalb z.B. nur für einfache Schulpinsel (sie wissen schon – die schönen Naturholzpinsel mit den hellen Borsten, die es überall so güsntig zu kaufen gibt). Viele Anwendungsbereiche gibt es dagegen für das Roßhaar – bei kleinen Malpinseln ebenso, wie bei Handfegern.
Der Ziegenhaarpinsel wird eher breit gefertigt. Geeignet für strichfreie Malflächen. Die feinen Haare haben besonders weiche und saugende Eigenschaften.
Und wie sollte es anders sein – selbst beim Dt. Tierschutzbund findet man was zum Thema Pinsel. Dort steht auch, dass Rindsohrhaar, also die feinen Härchen am Ohrenrand, für etwas längere Feinhaarpinsel verwendet werden. Schriftmal- und Plakatschreibpinsel entstehen daraus.Auf was der Mensch so alles kommt, damit der Pinselstrich stimmt…
Kunstfaster/-borstenGibt es speziell für Lösemittelhaltige Materialien. Die Faser verliert nicht an Qualität, ist etwas kürzer und kräftiger, hat ein dünne, lange Spitze. So gelingt ein gleimäßiger, pinselstrichfreier Auftrag, dünnflüssige Farbe fliesst sehr gut ab. Sie sind meist aus Poyester oder Nylon.
Von Orel gibt es z.B. auch eine Polyesterborste, die innen hohl ist und an der Spitze geschlitzt – also einer Schweineborste nachgemacht ist.
PflanzenfasernDie Agave bietet eine feste Faser, die für Pinsel geeignet ist z.B. Deckenbürsten für die Wand. Ebenso wie die Kokospalme. Letztere hat aber eher eine grobe Faser, die auch für entsprechende Untergründe geeignet ist.

Aufbau einer BürsteWir alle kennen die typischen Pinsel aus Naturholz, manchmal auch lackiert oder bei billigen Pinsel, auch aus Kunststoff.  Die Haare oder Borsten (Bestückung) sind in rostfreies Metall gefasst und bilden so ein zwei-Kammer-System mit einem Hohlraum zwischen Bestückung und Holz. Das soll die Farbhaltung optimieren. Führt aber leider auch all zu oft zu triefenden Pinseln, sofern sie billig waren.
Die Firma sto hat jetzt einen Pinsel herausgebracht, bei dem der Hohlraum mit Polymid gefüllt ist. Also keine triefenden Pinsel mehr und, mit mehr Gewicht im Kopfbereich, eine besseres Arbeiten.
QualitätenEin guter Malerpinsel enthält als Qualitätsangabe oft die Menge an Tops, z.B. mindestens 90% Tops in der Besteckung.
Was heisst das?Mindestens 90% der Borsten weisen die maximale sichtbare Borstenlänge auf. Je höher die Prozentzahl, desto anspruchsvoller die Qualität.
Außerdem gibt es verschiedne Pinselstärken, die das Verhältnis von Dicke zu Breite des Pinsels angeben. In Malerqualität gibt es 9., 10., 12., 14.. und für Heimwerker 5. und 6.Je größer die Stärke, dest mehr Farbe kann der Pinsel aufnehmen und ohne abermaliges Eintauchen auch wieder verstrichen werden. Mit Kork (Ringpinsel), Kunststoff- oder Kartoneinlagen (Flachpinsel) wird das Besteckungsmaterial optimal in Form gebracht und Farbkammern (Reservoirs) für eine möglichst hohe Farbaufnahme geschaffen.

Was sollte ein guter Pinsel können1. maximal Farbaufnahme2. Farbe halten, am besten tropffrei3. Farbe gleichmäßig abgeben4. wenig bis gar keine Haare verlieren

Damit Haare anschließend nicht auf einer Farbfläche landen, kann man gerne zu Anfang über den trockenen Pinsel streichen, damit lose Haare herausfallen können.
Flach, rund, schräg
Pinseltypen gibt es vielerlei – schauen wir sie uns im Überblick mal an.

Flach-Pinsel/Lackier-Pinsel
Gerne verwendet für größere ebene Flächen und je nach Anstrichmedium gelingt ein streifenfreier Auftrag. Ein guter Flachpinsel nimmt Farbe gut auf und gibt sie auch wieder gut ab. Gibt es mit Natur- oder Kunstborsten oder auch als Mix. Erhältlich in verschiedenen Stärken und Breiten (7-14 cm) – je nach Verwendungszweck.

Ring-Pinsel/Rund-Pinsel
Er heißt so, weil er rund gebunden ist und bei guten Qualitätsprodukten ein Nylon-Fadenvorband um die Borsten aufweist. Wird gerne verwendet für Lackierarbeiten bei Türen und Fenstern, Fenssterrahmen, Rohren und Ecken. Er nimmt viel Farbe auf und gibt sie langanhaltend wieder ab. Für eine saubere Farbfläche dreht man den Pinsel beim Streichen leicht. Gibt es mit Natur- oder Kunstborsten oder auch als Mix.

Flachoval-Pinsel
Statt der ganz flachen Form der Borsten ist dieser in der Frontansich etwas oval. So nimmt er etwas mehr Farbe auf und ist damit auch für größere Flächen bzw. lange Pinselstriche geeignet. Als Mix-Borste oder Chinaborste erhältlich.
Fenster-Pinsel
Dieses ist ein Flachpinsel mit abgeschrägten Borsten. Er ist für die präzise Linienführung beim Streichen von Fensterrahmen gedacht. Haben Sie nur wenige Fenster, tut es ein Ringpinsel auch. Bei vielen hilft der Fensterpinsel beim schnelleren Fertigwerden.Erhältlich in Chinaborste für Lacke und Lasuren, mit Mixborste für wasserbasierte Lacke oder weiterer Mixborste für wasserbasierte Lasuren. Breiten von 35 mm sind sinnvoll.

Schrägstrichzieher
Sieht eigentlich aus wie ein Fensterpinsel, nur ist er schmaler und etwas flacher. Zudem hat er einen lange Stil. Maler setzen ihn für exakte Farbtrennungen zwei verschiedenfarbiger Flächen ein oder auch für kleine Ausbesserungsarbeiten. Hauptsächlich mit schwarzer Chinaborste in den Stärken 15mm – 30mm erhältlich.

Heizkörper-Pinsel
Den hat wohl fast jeder schon mal in der Hand gehabt – ein Flachpinsel mit langem Griff und gekrümmtem Kopf. Er wurde eben entsprechend den schwer zugänglichen Stellen beim Heizkörper erfunden und erleichtert das Streichen zwischen den Heizkörperlamellen. Natürlich darf man ihn auch für anderes verwenden wie z.B. Erker oder Türrahmen oder – wie wir hier im Haus – zum Streichen der Wandfarbe in den Ecken. Gibt es mit Natur- oder Kunstborsten oder auch als Mix in den Größen 25mm – 75 mm.

Platt-Pinsel
Ist dem Schrägstrichzieher ähnlich – langer Stil und schmal, aber die Borsten sind gerade abgeschnitten und etwas buschiger. Verwendet wird er für kleinere Ausbesserungsarbeiten und schwer zugängliche Stellen. Deshalb gibt es ihn auch gekröpft. Gibt es mit Natur- oder Kunstborsten oder auch als Mix in den Größen 15mm – 42 mm.

Fassaden-PinselKommt dem Heizkörperpinsel nahe. Allerdings gibt es ihn nicht nur mit langem Stil, sondern auch kurzem und die Borstenfläche ist breiter. Bei Fassadenanstrichen gibt es auch die Möglichkeit den Fassadenpinsel an eine Teleskopstange anzubringen. Sowohl reine Naturfasern (z. B. Chinaborsten) als auch Mischfasern oder vollsynthetische Fasern können zum Einsatz kommen – Größe: 50mm – 70mm.

FlächenstreicherDas ist der Pinsel, mit dem man schon seit jeher eine Wand neu angestrichen hat – groß und rechteckig. Man kann aber auch Lackierungen und Lasuren, je nach Borste, damit anbringen. Die Größen sind: 3x7cm, 3x10cm, 3x12cm, 4x14cm, 8,5×18,5cm

Oval-FlächenstreicherDas ist was für Profis – sie verwenden ihn für Lasurtechniken und hochwertige, effiziente Flächenanstriche. Aufgrund der ovalen Form und der Herstellungsart, besitzt er ein sehr gutes Farbhaltevermögen. Die Chinaborste ist in unterschiedlichen Längen erhältlich – für Lasuren eher länger (90-13cm) und als Fassaden- oder Kalkstreichbürste eher kürzer (65cm). Die Bürstengrößen variieren ebenfalls von 6,5x13cm und 5,5x13cm.

Schablonier-PinselIst dazu gedacht, die Farbe durch eine aufgelegte Schablone zu stupfen. Der Pinsel ist meist etwas kürzer, genau so wie die Borsten kurz und kräftig sind.